IMG 8655

Die Corona-Pandemie bringt auch den Dienstplan der Frauen und Männer in der Freiwilligen Feuerwehr durcheinander. Der Übungsbetrieb ist damit aber nicht komplett lahmgelegt. Weiterhin finden an den Gerätehäusern in den Stadtteilen Treffen in kleinen Gruppen statt, um weiterhin für alle Notlagen gerüstet zu sein. Hierzu war es notwendig, ein Hygienekonzept auszuarbeiten, um ein sicheres Training für alle freiwilligen Helfer möglich zu machen. Dabei geht es immer auch darum, die Dienstfähigkeit der sogenannten kritischen Infrastruktur Feuerwehr und Hilfeleistungsorganisationen zu gewährleisten. Nicht auszudenken, was passieren würde, wenn große Gruppen von Einsatzkräften unter Quarantäne gestellt werden müssten. Zur Strategie gehört es daher, unbedingt zu vermeiden, dass sich Infektionsketten bilden können. Dabei muss sorgfältig berücksichtigt werden, wie die Brandschützer im Einsatz mit möglicherweise Coronavirus-infizierten Menschen umgehen müssen und wie sie sich, ihre Kameraden und weitere Helfer vor Ansteckungen schützen. Die Helfer sind dabei selber dafür verantwortlich, ob sie einsatzfähig sind oder zum Dienst antreten. Wer nicht kommen möchte, wird zu nichts gezwungen. Trotzdem ist es natürlich wichtig, dass wir unser Handwerk beherrschen und immer wieder üben, da das Einsatzspektrum der Feuerwehr sehr vielfältig ist. Unter den aktuellen Bedingungen dann aber alle Mitglieder auf demselben Wissensstand zu haben, ist eine organisatorische Herausforderung. Alle sechs Standorte wurden mit großem aufwand so ausgestattet das es ausreichend Seifen- und Desinfektions- sowie Handtuchspender gibt. Eine Maßnahme, die eigentlich ohne Corona schon lange Standard hätte sein müssen, haben unsere Einsatzkräfte doch häufig Kontakt mit verletzten oder erkrankten Personen. Die aufwendige Technik der Fahrzeuge muss immer wiederkehrend überprüft werden. Wenn die Freiwillige Feuerwehr 24/7 Einsatzbereit bleiben will, muss ein mindestmaß an Ausbildung und Wartung erfolgen. Der Lockdown im Frühjahr, bis in den Sommer hinein, hat gezeigt das unsere Mitglieder, die Feuerwehr rein Ehrenamtlich betreiben und die sich auch noch um ihren Beruf und ihre Familien kümmern müssen, ohne ständiges Training bei hohen Anforderungen, die Technik und gesetzliche vorgaben an die Mitglieder stellen, einfach Schwierigkeiten bekommen. Der Übungsdienst der Kinder und Jugendfeuerwehr bleibt allerdings bis auf weiteres ausgesetzt, das hat auch Haftungsrechtlich gründe und schmerzt sehr.

Bereits mehrfach ist in diesem Jahr für kurze Zeit unsere Energieversorgung zusammen gebrochen. Die Ursachen sind vielfältig und bewegen sich aufgrund der zurückhaltenden Informationen nur im Bereich der Spekulationen. Interessant sind die Diskussionen in den sozialen Netzwerken, viele sind sich offenbar gar nicht bewusst welche Konsequenzen ein flächiger Stromausfall hat, und was danach nicht mehr funktioniert.

Wir zählen einmal auf:

Beleuchtung
Elektrisches Licht, sowohl im privaten als auch im öffentlichen Bereich fällt aus. Häuser, Straßen, öffentliche Einrichtungen, Verkehrseinrichtungen (Bahnhöfe, U-Bahnstationen, Flughäfen) sind ohne Beleuchtung.

Heizung
So gut wie keine Heizung funktioniert heutzutage ohne Strom. Auch Holz-, Öl-, Gas- und Pellets-Zentralheizungen haben elektrische Steuerungen und benötigen Umwälzpumpen. Ohne funktionierende Umwälzpumpe überhitzt der Heizkessel und die Heizkörper bleiben trotzdem kalt. Auch Fernwärmeheizungen kommen nicht ohne Pumpen und Steuerungen aus und bleiben daher ebenfalls kalt. Die einzigen Alternativen sind Kachelöfen, Küchenherde und Schwedenöfen. Diese funktionieren aber auch nur, wenn die Rauchfänge gewartet und regelmäßig gekehrt werden und wenn natürlich ausreichend geeignetes Brennmaterial vorhanden ist.

Kochen
Elektroherd, Mikrowelle, Kaffeemaschine, Wasserkocher usw. funktionieren ohne elektrischen Strom nicht mehr.

Wasserversorgung
Bei Stromausfall fallen Druckeröhung, Trinkwasseraufbereitung und Abwasserentsorgung mit Pumpen und Hebewerke aus. Wenn auch manche Wasserversorgungsnetze durch das natürliche Gefälle ohne Pumpen auskommen, so gibt es nahezu keine Versorgungsnetze ohne UV-Entkeimungsanlagen. Diese fallen natürlich auch aus und das Wasser darf eigentlich nicht mehr als Trinkwasser verwendet werden. Weiters dürfen laut Gesetz Wasserverbände nur dann Wasser liefern, wenn auch die Abwasserentsorgung funktioniert. Eine generelle Aussage ob und wie lange die Versorgung mit Trinkwasser funktioniert, kann man deshalb nicht pauschal treffen. Die Situation kann nur von der Gemeinde oder den jeweiligen Wasserverband evaluiert und eingeschätzt werden. Am 29.08.2020 funktionierte die Wasserversorgung in Teilen Nideggens nicht mehr.

Lebensmittelversorgung
Kühl- sowie Gefrierschränke tauen früher oder später auf, je nach Alter und Isolierung der Geräte. Wenn nicht sofort Maßnahmen getroffen werden, um die Kühlgeräte weiter zu versorgen (Notstromaggregat) oder die Lebensmittel zu verwerten (haltbar zu machen), verderben diese. Supermärkte bleiben ohne Kasse und Abrechnungssysteme geschlossen. Elektrische Schiebe- und Drehtüren sind funktionsunfähig.

Mobilität und Verkehr
PKW´s funktionieren nur mehr so lange sie noch Treibstoff im Tank haben. Die meisten Tankstellen haben weder einen eigenen Stromerzeuger noch eine Einspeisevorrichtung für einen Stromerzeuger. Ohne Strom funktionieren die Pumpen nicht, die die Zapfsäulen und Zapfhähne mit dem Treibstoff aus den unterirdischen Tanks speisen. Die Nachlieferung von Treibstoff ist ebenfalls fraglich, da die meisten Tankwagen mit einer Geoüberwachung ausgerüstet sind und ohne Internet nicht abladen können. Da es sich bei der Geoüberwachung um einen Diebstahlschutz handelt, ist diese auch nicht mit einfachen Mitteln außer Kraft zu setzen. Die gesamte Logistik und Warenlieferung bricht ebenfalls zusammen. Verkehrsleitsysteme fallen aus und alle Tunnel werden wegen ausgefallener Sicherheitstechnik automatisch gesperrt. Außerdem fallen natürlich alle öffentlichen Verkehrsmittel wie Bus, Bahn, U-Bahn, Flugverkehr sowie Aufzüge, Parkhausschranken und ganz banale Ampeln aus.

Kommunikation
Radio- und Fernsehgeräte mit Netzspannung funktionieren nicht. Radiogeräte mit Akkus, Batterien oder Autoradios funktionieren unter Umständen, sofern die Sendeanlagen nicht vom Stromausfall betroffen sind. Radiosendeanlagen sollten für maximal 5 Tage Notstromversorgt sein. Mobiltelefonie, Festnetz sowie Computer und Internet fallen teilweise zeitgleich mit dem Strom aus und stehen daher nur mehr sehr eingeschränkt oder gar nicht zur Verfügung. Der Behördenfunk "TETRA" fällt nach maximal 3 Stunden aus. Die Alarmierung von Einsatz- und Hilfsorganisationen, wie Polizei, Feuerwehr und Rettung, wird damit nahezu unmöglich.

Bargeldbeschaffung und Geldverkehr
Geldautomaten funktionieren nicht mehr und Banken können keine Auszahlungen mehr tätigen.

Sicherheit
Türsprechanlagen und Türöffner, Zutritts-Sicherungssysteme, Alarmanlagen, Videoüberwachung und Brandmeldeanlagen funktionieren nur solange Akkus oder Notstromsysteme ersatzweise Strom liefern. Krankenhäuser haben Notstromaggregate und besonders kritische Bereiche wie Operationssaal und Intensivmedizin haben eine Unterbrechungsfreie Stromversorgung. Eine Versorgungsdauer von 24 Stunden ist gesichert. Darüber hinaus hängt der Betrieb von der Nachlieferung von Treibstoff ab. Seniorenheime fallen nicht unter die Krankenhausverordnung und haben keine Stromversorgung. Beatmungsgeräte in Senioreneinrichtungen oder Heimbeatmete Patienten sind heute keine Seltenheit, diese Geräte funktionieren nur begrenzt weiter. Fluchtwegmarkierungsleuchten in größeren (Wohn-) Gebäuden leuchten maximal 3 Stunden.

Landwirtschaft
Melkanlagen, Fütterungsautomaten, Beleuchtungssysteme, Lüftung, Klima im Stall, Bewässerungsanlagen funktionieren nur mit Strom.
 
Infos zur eigenen Vorsorge gibt es hier: Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe